Das in den meisten Haartransplantationsinstituten übliche Herausschneiden eines langen Haut-Streifens mit dem Skalpell (Strip- Methode) und sein anschließendes Zerteilen in die einzelnen Grafts (meist unter dem Mikroskop) hat Vorteile, kann aber auch einige Probleme und Komplikationen verursachen (z. B. auffällige Narbe, Narbenschmerzen, vorübergehendes Taubheitsgefühl, Zerstörung einer hohen Anzahl an gesunden Haarfollikeln, uvm.)

Problematik der Narbe

Aus dem Donor- Bereich wird mit dem Skalpell ein länglicher elliptischer oder spindelförmiger Haut- Unterhaut- Lappen herausgeschnitten, der in der Regel quer über den Hinterkopf von einem Ohr zum anderen verläuft. Der resultierende große und tiefgreifende Gewebsdefekt wird anschließend mehrschichtig vernäht. Hieraus resultiert eine bis gut 25 cm lange Narbe (selten noch länger), die quer über den Hinterkopf verläuft, meist in Form eines sogenannten „Smiley- Mundes“. Die Narbe bleibt im besten Fall ein nur 1- 2 mm dünner Streifen, doch die Praxis zeigt, daß sie sich meistens verbreitert. Hierfür gibt es folgende Gründe: Zugspannungen und individueller Heilungsverlauf des Körpers: Da ein Haut- Unterhautlappen entnommen wurde, stehen die beiden zusammengenähten Bereiche des Hinterkopfs (Wundränder) unter Zugspannung. Um dieser Spannung entgegenzuwirken, verbreitert sich das Narbengewebe („back-stretch-Effekt“). Diese Verbreiterung kann unmittelbar nach der OP stattfinden, oder auch erst im Laufe der Heilungszeit bis zu ca. 6 Monaten nach der OP. Das heißt, daß sich eine anfangs optimal dünne Narbe auch noch nach Monaten zu einer auffällig breiten Narbe entwickeln kann. Durchmesser von bis zu 5 mm an den Rändern und 1 cm in der Mitte sind keine Seltenheit.

Der individuelle Heilungsverlauf des Körpers erfolgt von Patient zu Patient unterschiedlich und ist nicht beeinflussbar. Auch bei optimalen Blutwerten und körperlicher Verfassung können sich Narben spontan und unvorhersehbar während des Heilungsverlaufs verbreitern, über die Hautebene heraus überschießen (hypertrophe Narbe), gegenüber der Ebene der umgebenden Haut einsinken (atrophe Narben), sich zusammenziehen und verhärten (Narbenkontraktur) oder in seltenen Fällen gar in das umgebende gesunde Gewebe hineinwuchern (sogenannte Keloide).

An unterschiedlichen Körperstellen können Narben auch unterschiedlich gut verheilen. Selbst wenn bei einem Patienten in der Vergangenheit beispielsweise eine OP- Wunde am Bauch einwandfrei verheilt ist, stellt dies keine Garantie dafür dar, daß dies auch bei der zukünftigen Strip- Narbe am Hinterkopf der Fall sein wird.

Eine vertragliche Garantie auf eine dünne Narbe wird Ihnen kein Strip- Arzt geben können.

Der durchführende Arzt einer Strip- Haartransplantation hat nur begrenzten Einfluss auf die Narbenbildung: Er muss den Streifen aus einer geeigneten elastischen Region innerhalb des Donor-Bereichs herausschneiden, muss auf die Größe und Geometrie des Streifens achten (nicht zu groß und nicht zu breit, um zu hohe Hautspannungen zu vermeiden) und anschließend eine stabile und feine Zusammennaht der Wundränder hinbekommen.

Auch eine feine Naht kann leider nur begrenzt für eine schmale Narbe garantieren. Denken Sie daran: Die Fäden verbleiben nur für eine relativ kurze Zeit im Gewebe, während der Heilungverlauf um ein Vielfaches länger dauert. Ab diesem Zeitpunkt haben der behandelnde Arzt und die Naht keinen Einfluss mehr auf die Hautspannungen und den individuellen Heilungsverlauf des Körpers.

Bei diesem Patienten wurden in der Vergangenheit mehrere Strip- Haartransplantationen durchgeführt. Es sind viele resultierende lange und breite Narben am Hinterkopf zu sehen. Jetzt wurde mit einer FUE sogenannte Repair-work gemacht: Jeder kleine rote Punkt ist der Ort einer gezielten punktförmigen Entnahme einer follikulären Einheit. In diesem Beispiel erfolgte die Aufnahme des Bildes unmittelbar nach der Entnahme. Aufgrund der jeweiligen kleinen Blutströpfchen sehen die kleinen punktförmigen FUE- Entnahmestellen größer aus, als sie tatsächlich sind.

Unmittelbare Folgen der Strip- Narbe im Alltag:

  • Kurzhaarfrisuren: Je nach Breite der Narbe sind Kurzhaarschnitte unter 1 bis 5 cm Haarlänge nicht mehr möglich, wenn die Narbe bei Sonnenlicht nicht durchschimmern soll und daher gut überdeckt werden muss. Der Patient ist also in Bezug auf zukünftige Frisuren sein restliches Leben lang auf eine Mindesthaarlänge festgelegt und entsprechend in seinen Frisurmöglichkeiten eingeschränkt.
  • Friseurbesuche, Schwimmbadaufenthalte, etc.: Je nach persönlicher Einstellung des Patienten zu diesem Thema (viele wünschen etwas mehr Diskretion und möchten nicht, das andere Leute etwas von Ihrer HT mitbekommen) können Friseurbesuche, Schwimmbadaufenthalte oder einfach nur das Streicheln des Partners/Partnerin durch das Haar zu psychischen Belastungen führen, da die Narbe möglicherweise entdeckt wird und man sich ggf. auf neugierige Fragen – zumindest aber auf überraschte Blicke – gefasst machen muss.
  • Psychologische Folgen: Viele Patienten können sich aufgrund obiger Probleme im Alltag mit der Narbe nicht abfinden und fühlen sich unwohl damit.
  • Narbenkorrekturen: Narbenkorrekturen durch Herausschneiden des Narbengewebes und erneutem Zusammennähen der Wundränder geben keine Garantie auf eine Reduzierung der Narbenbreite, da auch hier wieder die Zugspannungen der Haut und der unbeeinflussbare individuelle Heilungsverlauf des Körpers für den Verlauf ausschlaggebend sind. Die Narbe kann schmaler werden, in etwa gleich bleiben, oder sogar breiter als die vorherige werden. Aus diesem Grunde lohnt sich eine operative Narbenkorrektur nur bei wirklich breiten Narben, bei denen der betroffene Patient ohnehin „nichts mehr zu verlieren hat“.

Entnahme: Operation, Heilungsverlauf, postoperative Komplikationen:

Es handelt sich hierbei um einen richtigen operativen Eingriff mit Skalpell. Es ensteht ein tiefer Haut- Unterhautdefekt, der sorgsam verschlossen werden muß. Es können hierbei auch in sehr seltenen Fällen Blutgefäße und Nerven durchtrennt werden, wenn diese nicht vorsichtig mit dem Skalpell umgangen werden. Da die beiden Schnitte quer über den Hinterkopf verlaufen, wird ein entsprechend langes Areal Haut und Unterhaut durchtrennt. Viele Patienten berichten nach einer Strip- HT von Taubheitsgefühlen in der unmittelbaren Umgebung der Narbe, die jedoch in der Regel nach einigen Monaten wieder verschwinden. Es können Empfindlichkeiten und Narbenschmerzen auftreten, auch über lange Zeiträume. Eine weitere mögliche und im Alltag sehr häufig auftretende Komplikation ist die schon angesprochene Narbenverbreiterung. Wundinfektionen kurz nach der Operation sind eine sehr seltene Komplikation. Vorbeugende Antibiotika- Einnahme während und einige Tage nach dem Eingriff minimiert dieses Risiko zusätzlich. 

Aktiver Sport (z.B. Bodybuilding)

Aufgrund der großen Wunde sollte für ca. 3 Monate nach der OP auf aktiven Sport, wie z.B. Bodybuilding, verzichtet werden.

Zerstörung gesunder Haarfollikel

Auf der Linie der Schnittführung werden durch das Skalpell zahlreiche gesunde Haarfollikel des Donor- Bereichs zerstört. Aufgrund der hohen Haarfollikel- Dichte ist es kaum möglich, alle Haarfollikel mit dem Skalpell gezielt zu „umfahren“. Wenn beispielsweise ein 25 cm langer elliptischer Hautstreifen herausgeschnitten wird, so beträgt die Gesamtlänge der Skalpellschnitte (Umfang der Wunde) etwas mehr als das Doppelte, also gut 50 cm. Hierbei werden zahlreiche Follikel, die sich unmittelbar auf dieser Schnittlinie befinden, durch das Skalpell zerstört. Darüber hinaus werden durch die nachfolgende äußere Naht mit kräftigem Faden und/oder Metallklammern ebenfalls Follikel zerstört, die sich an den unmittelbaren Einstichstellen befinden. Ein weiterer Risikofaktor ist das nachfolgende Zerteilen des Hautstreifens in die einzelnen Grafts (heutzutage meist unter dem Mikroskop). Auch hierbei können bei nicht sorgsamer Zerteilung des Hautstreifens weitere Haarfollikel zerstört werden.

Kontrolle der Anzahl der zu entnehmenden Grafts

Zwar führen heute viele Institute, die noch nach der Streifen- Methode arbeiten, eine spezielle Dichtemessung der Haardichte im Donorbereichs durch und berechnen anhand dieses Wertes und der benötigten Anzahl an Grafts die notwendige Flächengröße des elliptischen Streifens, der herausgeschnitten werden muss. Dennoch ist dieses Verfahren aus verschiedenen Gründen nur bis zu einer mehr oder weniger guten Genauigkeit zuverlässig.

Nachträgliches Entnehmen von Grafts

Die Technik der Strip- HT erlaubt es verständlicherweise nicht, nachträglich noch einmal schnell einen zusätzlichen kleinen Hautlappen herauszuschneiden, sollte sich die zuvor entnommene Anzahl an Grafts nachträglich als zu gering erweisen. In der Praxis wird daher eher ein etwas größerer Streifen herausgeschnitten, um für den Fall der Fälle noch genügend „Puffer“ zu haben.

Handhabung überschüssiger Grafts

Für überschüssige Grafts verbleibt meist nur die Option, diese in/um den vorhergesehenen Empfangsbereich zu verpflanzen, sofern dies aus Platzgründen und ästhetischen Gründen noch möglich ist.

Kontrolle über die Art der zu entnehmenden Grafts

Die Art und Zusammensetzung der im herausgeschnittenen Haut- Unterhautlappen enthaltenen Follikelgrüppchen muß als fertig vorgegeben übernommen werden und lässt sich nicht beeinflussen. Es liegt am jeweiligen Institut, ob der herausgeschnittene Haut- Unterhautlappen anschließend in FUs (follikuläre Einheiten) oder in die unnatürlicheren gröberen Mini- und Micrografts zerteilt wird.

Kontrolle des Patienten über die Anzahl der entnommenen Grafts

Da zunächst ein Haut- Unterhautlappen herausgeschnitten wird, der erst anschließend in einzelne Grafts zerteilt wird, weiß der Patient nicht genau, wie viele Haarfollikel nun eigentlich entnommen wurden, und wie viele davon er tatsächlich wieder in den Empfängerbereich eingesetzt bekommen hat. Hierzu müßte er bei der Zerteilung des Haut- Unterhautlappens zusehen und mitzählen, was ohne Lupenmikroskop unmöglich ist.

Verwendung von Bodygrafts bei Mangel an normalen Spenderhaaren  

Sollten nicht genug Spenderhaare im Donorbereich des Hinterkopfes vorhanden sein, ist eine Verwendung von Bodygrafts absolut ungeeignet, weil diese mehrere auffällige lange Narben an den entsprechenden Entnahmestellen des Körpers zur Folge hätte (da die Dichte an genügend kräftigen Bodygrafts um ein Vielfaches niedriger ist als die Dichte an Kopfhaaren, müssten mehrere Streifen herausgeschnitten werden, um eine nennenswerte Anzahl an Bodygrafts zu erhalten). Dieses Risiko sowie die ästhetischen Nachteile stehen in keinem Verhältnis zum erreichbaren Nutzen.

Korrektur oder Rekonstruktion anderer Körperregionen

Streifen- HTs zur Korrektur oder Rekonstruktion anderer Körperregionen (z.B. haarlose Narben, Augenbrauen, Barthaare, Schamhaare etc.

Ungeeignet, da man nur Kopfhaut- Grafts verwenden kann. Diese haben aber andere Eigenschaften als die Haare der oben erwähnten Regionen, sodaß es nicht natürlich aussehen würde. Auch werden ja Kopfhaare deutlich länger, sodaß man ständig nachschneiden müßte (z. B. an der Augenbraue). Haare der genannten Regionen selber kann man natürlich mit der Strip- Methode nicht verwenden, da dort die Strip- Narben zu auffällig wären und zudem die Haaranzahl auch meist zu gering dort ist, um noch Spendergrafts hergeben zu können). 

Zutransplantieren von Strip- Narben mit der Streifen- Methode

Ungeeignet, da man eine weitere Narbe erhalten würde. Man hätte somit ein Problem gelöst, indem man dasselbe Problem an anderer Stelle wieder von neuem schafft.

Flexibilität: Ort der Graft- Entnahme

Die Auswahl des Areales innerhalb des Donor-Gebietes, aus dem der Streifen herausgeschnitten werden kann, wird durch folgende Fakten eingeschränkt:

  • Es muss die notwendige Kopfhaut- Elastizität vorhanden sein.
  • Das Areal muss aus anatomischer Sicht für tiefe Schnitte unbedenklich sein.
  • Die Narbe sollte aus kosmetischen Gründen an einer Stelle liegen, die vom übrigen Resthaar komplett verdeckt werden kann.
  • Bei weiteren zukünftigen Strip- HTs ist man verständlicherweise bei der Entnahme überwiegend an den Bereich unmittelbar um die erste Strip- HT- Narbe herum gebunden, um nicht mehrere lange Narben im Donor-Bereich zu erhalten.

Maximale Gesamtanzahl der aus dem Donorbereich transplantierbaren Grafts

Aufgrund der lokalen Bindung bzgl. des Ortes der Streifenentnahme und der nach mehreren Strip- HTs stärker werdenden Hautspannungen ist die Anzahl transplantierbarer Grafts beschränkt, es lassen sich nicht beliebig viele zukünftige Strip- HTs durchführen. Zudem können mit Strip keine bodygrafts entnommen werden.

Auswirkungen nach mehreren aufeinander gefolgten HTs auf den Donorbereich

Der Haaransatz im Nacken wird aufgrund des Lifting- Effekts mit jeder neuen Strip- HT immer weiter nach oben verschoben. Der behaarte Bereich behält nahezu seine natürliche Dichte (er wird jedoch auch teilweise etwas ausgedünnt, besonders in den narbennahen Regionen).

Zeitliche Abstände zwischen zukünftigen Wiederholungen von HTs

Wenn der neue Streifen unmittelbar die Narbe der vorangegangenen Strip- HT beinhaltet (dieses Vorgehen ist meist der Fall, damit der Patient nicht unnötig viele Narben im Donor-Bereich erhält), sollte die Wartezeit zwischen 2 OPs etwa 12 Monate betragen – abhängig von der Größe des vorangegangenen Streifens. Grund: Die unter Zugspannung stehende Haut muss über diesen Zeitraum wieder etwas an Elastizität gewinnen. Wenn man weitere Narben in Kauf nehmen möchte, dann kann natürlich an anderen Bereichen sofort ein neuer Streifen herausgeschnitten werden.

Arbeitsaufwand

Eine Strip- HT ist deutlich weniger arbeitsintensiv als eine FUE. Deshalb können von den entsprechenden Instituten, welche die Strip- Methode anbieten, mehrere Patienten gleichzeitig pro Tag behandelt werden.

Zeitaufwand / Anzahl transplantierbarer Grafts pro Arbeitstag

Die Durchführung einer Strip- HT benötigt weniger Zeit, entsprechend können bis zu mehreren Tausend Grafts pro Tag verpflanzt werden.

Kosten weltweit

Für eine HT nach der Streifen- Methode bezahlt man pro Graft i.d.R. weniger als bei einer FUE. Die Preise sind allerdings bei der FUE- Methode in der letzten Zeit deutlich gesunken und die Unterschiede sind daher oftmals nicht mehr so groß.

Vorheriges Rasieren des Donorgebietes notwendig

Die Fläche des zu entnehmenden Streifens muss zwar vorher rasiert werden. Nach der anschließenden Entnahme des Streifens wird die Wunde jedoch verschlossen, so dass der Patient anschließend keine kurzrasierten Bereiche hat.

Nach der OP

Kurzzeitige Schwellungen, vorübergehendes Ausfallen der transplantierten Grafts, Eintreten der transplantierten Grafts in eine ca. 3- 6 Monate andauernde Ruhe- und Erholungsphase, Erreichen der endgültigen Resultate:
Da sich eine FUE von einer Strip- HT nur in der Art der Graft- Entnahme unterscheidet, gibt es in diesen Punkten keine Unterschiede. Siehe: Post-OP-Nachsorge: Wichtige Hinweise und Ergebnis.